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... zur Marienburg
2008
Sonntag, den 01. Februar 2009 um 18:02 Uhr
Nach der ersten polnischen Teilung gehörte sie ab 1772 zu Preußen und wurde in eine Kaserne umgewandelt. Anfang des 19. Jahrhunderts begann die schrittweise Restaurierung der Anlage, die dann im 2. Weltkrieg schwer zerstört wurde. Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts begann der Wiederaufbau der größten gotischen Burg Europas. Ich folgte, vom Parkplatz kommend, der östlich der Burg lag, der Längsseite der Burganlage, um an den Eingang zu gelangen, der sich am so genanten Vorschloss befand.
Die Burganlage gliederte sich in drei Teile. Dabei handelte es sich um das Vorschloss, das Mittelschloss und das Hochschloss. Ich betrat durch die im Norden gelegene Vorburg die gewaltige Anlage. Vom Vorhof führte der Weg über eine überdachte Holzbrücke zum Mittelschloss. Eine Zugbrücke und eisenbeschlagene Tore sowie Fallgitter dienten dem Schutz vor Angreifern. Ich betrat den großen, weiten Burghof und konnte nun zum ersten Mal richtig einschätzen, wie groß die Burg wirklich war. Nachdem ich mich dort umgesehen hatte begann ich mit der Besichtigung in den sich gleich rechts hinter dem Zugang befindenden Räumlichkeiten. Überall waren Kunstwerke und Möbel aus längst vergangenen Zeiten aufgestellt, die sogar problemlos fotografiert werden durften, sobald man eine Fotoerlaubnis erstanden hatte. Es folgten die nächsten Räume, die sich mit dem sogenannten großen Remter als überaus repräsentativ zeigten. Dazu waren sie auch bestens rekonstruiert worden. Über meinem Kopf befand sich ein wunderbar erhaltenes Sternengewölbe, während die Fensternischen mit Wappen von Adeligen aus der Region bemalt waren. In einigen der Räume waren noch immer Restaurationsarbeiten im Gange. So wurde etwa die Deckenbemalung nach historischem Vorbild erneuert, um die einstige Pracht wiederherzustellen.
Ich stieg Treppen hinauf, nur um kurz darauf andere Treppen wieder hinunter zu steigen. Es war unvorstellbar, wie groß die gesamte Anlage war. Ich tauchten kurze Zeit darauf mehrmals in das westliche Gebäude des Mittelschlosses ein und gelangten nach einem kurzen Rundgang durch die inneren Räumlichkeiten wieder auf den Hof. Jedes Mal kamen ich damit dem Hochschloss ein Stück näher. Dort, wo dessen Zugang war stand eine steinerne Figurengruppe, welche die Hochmeister des Ordens darstellten.
Ich setzte die Besichtigung in Räumen, die vorwiegend dunkel gehalten waren fort. Dort wurden die Schätze gezeigt, die das Meer nach Ewigkeiten ausspuckte: Bernstein. Daraus waren Schmuckstücke, wie Segelboote oder kleine Schatullen hergestellt worden, ganze Schachbretter und Miniaturbäume.
Südlich vom Mittelschloss erhob sich das Hochschloss, dessen Hof über eine weitere Zugbrücke zu erreichen war. Der kleine Hof wurde von zweigeschossigen Kreuzgängen umschlossen. In der Mitte stand ein überdachter Brunnen auf dessen Spitze ein Pelikan saß. Vom Kreuzgang gelangten ich in verschiedene Räume des Hochschlosses in deren dicken Außenwänden herrliche Buntglasfenster eingelassen waren. Von den Räumen hier stach wiederum der Kapitelsaal als einer der schönsten heraus. Auch diesen zeichnete ein Sternengewölbe und zahlreiche Buntglasfenster aus. Ringsum waren die Wände mit Holz vertäfelt. Dort bildeten Bänke mit der Wandverkleidung eine Einheit, ganz so als handele es sich um das Chorgestühl eines Doms. Hier in diesem Raum wurden die wichtigsten Entscheidungen  des Ordensstaates getroffen und die Hochmeister gewählt. Auch einige kleinere Räume, die mit Inventar aus der Vergangenheit eingerichtet worden waren beeindruckten. Ein etwa 60 Meter langer Gang führte zum über dem Wasser des Burggrabens errichteten Dansker, einer recht großen Abortanlage in Form eines Wehrturmes. Hier gab es einst Toiletten in einzelnen Kabinen aber auch welche ohne Abtrennung. Von dort ging ich weiter zu Ausstellungsräumen, in denen Skulpturen zu sehen waren, von denen Darstellungen der Maria, der Namenspatronin der Burg, am häufigsten anzutreffen waren.
Über den Kreuzgang gelangte ich in weitere Ausstellungsräume, wo auch ein prächtiger Altar zu sehen war, der übervoll mit Gold belegt war. Anschließend gelangte ich in die Marienkirche. Das am Ende des zweiten Weltkrieges fast komplett zerstörte Gotteshaus war äußerlich wiederhergestellt, jedoch das Kircheninnere glich einer Ruine. Es waren noch Reste des Chorgestühls und Teile des Altars erhalten geblieben, der einmal sehr prunkvoll gewesen sein musste. Ringsum waren Rekonstruktions- und Restaurierungsarbeiten in Gange, denn die Kirche sollte auch im Inneren wieder so hergestellt werden, wie sie sich vor der Zerstörung gezeigt hatte.
Nach der Besichtigung eines Modells der gesamten Burganlage stieg ich auf den Turm. Der Weg hinauf zu den Zinnen führte über schmale Treppen. Eine herrlich Aussicht über die Weichsel und die Landschaft ringsum belohnte den schweißtreibenden Aufstieg. Der blaue Himmel tat sein Übriges dazu. Nachdem ich ausgiebig fotografiert hatte machte ich mich wieder auf den Weg hinunter. Inzwischen war es schon Mittag und ich war vom Herumlaufen und Besichtigen hungrig und etwas fußlahm. Deshalb musste eine Pause in einem der Restaurants zur Stärkung eingelegt werden. Weil sie auf dem Weg lagen sah ich mir noch die Küchenräume der Burg an, die recht imposant wirkten. Im Keller der Burg erwartete mich ein Gewölbe-Gastraum wo es Essen und Getränke gab. Im Anschluss ging es an die Besichtigung des Außengeländes. Auch hier gab es einiges zu sehen, nicht zuletzt herrliche Ansichten der Burganlage selbst. Kanonenkugeln aus Stein waren zu kleinen Pyramiden aufgetürmt und das Räderwerk einer Mühle schien sich gleich wieder drehen zu wollen. Uralte Efeuranken mit dicken Stämmen klammerten sich an das Mauerwerk und stille Höfe luden dazu ein, in der Sonne zu sitzen. Im Mittelschloss gab es die Rüstkammer zu besichtigen, in welcher alte Rüstungen aus dem ganzen Land zusammengetragen worden waren, weil die stattliche Sammlung der Burg durch die Zerstörung im zweiten Weltkrieg unwiederbringlich verlorengegangen war.
Danach machte ich mich auf den Weg über eine steile Wendeltreppe hinunter in den Burggraben zwischen Mittel- und Hochschloss. Von hier ging es einerseits zum Ausgang, während man auf einem anderen Weg die Burg umrunden konnte. Der Rundweg führte nun auch am äußeren Mühlrad vorbei. Hier ging es zwischen einer äußeren Mauer, die mit schmalen Schlitzen versehen war und der eigentlichen Mauer hindurch. Über mir war das Dach der Burg zu sehen, welches weiter oben die beiden Mauern miteinander verband und den Gang dazwischen abdeckte. Ich umrundete das gesamte Hochschloss und kamen schließlich wieder zu der Stelle an der ich mit dem Rundgang begonnen hatte.
Ich verließ die Burg an deren Westseite, am Ufer des Nogat. Hier standen einige Zelte, aus denen heraus allerhand Dinge verkauft wurden, die zum Thema Burg und Kreuzrittern passte, wie etwa Schwerter und Helme. Auch hier wurde wieder Bernstein angeboten, wie es in dieser Gegend üblich war. Ich ruhte mich noch eine Weile in der Sonne aus und ging dann zurück zum Parkplatz. Inzwischen war es Nachmittag und ich beendete den Abstecher mit der Rückfahrt zu meiner Unterkunft.
 
ENDE
 
 

Montag, 17. Dezember 2018

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