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... zum Mafia-Dinner
2009
Montag, den 26. Januar 2009 um 13:53 Uhr
mit einem Betonklotz am Bein auf dem Grunde eines Gewässers aufgefunden werden. Don Vegas hatte aus Anlass seines Geburtstags die Angehörigen des Clans zu einem Galadinner eingeladen - einem wahren Mafiadinner.
Ich warf mich also in Schale, band mir eine Krawatte um - was ich ganz selten tue - und setzte meinen schwarzen Hut auf. Auf eine Sonnenbrille, die ich sonst zu solchen Anlässen tragen würde, hatte ich verzichtet - ich wollte schließlich sehen, was auf dem Teller lag. So war das Überleben im dunklen Kaisersaal etwas wahrscheinlicher. Bei Don Vegas konnte man nämlich nie wissen ...
Soviel zu meinen Gründen im Kaisersaal zu erscheinen.

Jetzt zu meinen Eindrücken von der Veranstaltung:
Schon im Foyer des Kaisersaals konnte ich erkennen, dass es einige Gäste gab, die durchaus dem Thema (Anlass) entsprechend gekleidet waren: Federboas wirbelten durch die Luft und es glitzerte hier und da. Die Damen im "Kleinen Schwarzen" warteten, wie die Herren im Anzug, oder die mit Hut und Weste (wie ich), auf Einlass. Allerdings gab es auch Gäste in Jeans und Pullover, was für mich unverständlich war, denn ein kleines bisschen Stil musste schon sein.
An der Garderobe wurden Jacken und Mäntel abgegeben - nicht jedoch die Hüte! Dort sah es schon wenige Minuten später aus, als hätte man verschiedene Vögel abgeschlachtet. Federn in unterschiedlichsten Farben lagen verstreut auf dem Boden. Die Boas der Damen wurden durch die Abgabe der Wintergarderobe in Mitleidenschaft gezogen.
Oben, vor dem Saal tummelten sich schon einige Gäste, die darauf warteten eingelassen zu werden. Im Treppenhaus standen passend zum Anlass dekorierte Tische. Darauf waren gerahmte Bilder des Don Vegas und seiner illustren Gesellschaft zu sehen, die auf roten Tafeltüchern neben silbernen Kerzenleuchtern standen. Gleich neben der Tür zum Saal lag auf einem weiteren Tisch das aufgeschlagene Gästebuch des Don, in welches man sich eintragen konnte.
Hier und da blitzte es auf und ich verfluchte die Tatsache, dass ich meinen Fotoapparat zu Hause gelassen hatte. Es würde also keine Bilder vom Abend geben.

Hinter mir kamen zwei Kerle die Treppe herunter, die sich mit stark italienisch gefärbtem Akzent darüber unterhielten, "dasse die Gäste schon hier sind - allora". Sie wollten wissen, ob die Waffen abgegeben und wo gefälligst die Geschenke für den Don seien. Eine flippige Mieze im glitzernden, kurzen Fummel - in ein ebensolches Mieder gezwängt - begrüßte lispelnd die Gäste und verteilte Süßigkeiten auf der Treppe. Dann wurden die Namen der Gäste auf einer Liste gesucht und von den beiden Kerlen und der verwuselten, wunderbar lispelnden Mieze, namens Cindy zu den entsprechenden Tischen geführt.
Der Kaisersaal wurde nur von diffusem Licht einiger Lampen erhellt sowie von den Kerzen in silbernen Leuchtern auf den langen Tafeln. Rot war auch auf den Tischen im Saal die dominante Farbe. Das zahlreich angeordnete Besteck auf jedem Platz wies darauf hin, dass es mehr als einen Gang geben sollte. Kleine Roulette-Spiele und Karten waren zusätzlich auf dem Tisch zu finden. Eine Spielkarte deckte ein Glas mit einer klaren Flüssigkeit ab, welche sich nach der Geruchsprobe als Ouzo oder Raki oder Mastika - jedenfalls ein Anisschnaps aus dem östlichen Mittelmeerraum - entpuppte. Auf der Ankündigung war von einem Aperitif die Rede, um den es sich wohl handelte (OUZO!?).
Aus ringsum aufgestellten Lautsprechern drang leise Klaviermusik, die die musikalische Umrahmung des Festes bilden sollte. Vorn an der Bühne des Saals war ein Portrait des Don aufgestellt, welches von Vasen mit künstlichen Rosen flankiert wurde. Damit jeder wusste, wo er sich befand war auf einem roten Tuch, das am Bühnenvorhang befestigt war "MAFIADINNER" zu lesen.
Ich saß unter der Galerie, so dass ich den Saal überblicken konnte. Ich schätzte dass um die 150 Gäste geladen waren, die sich mittlerweile gesetzt hatten. Es wurde darauf geachtet, dass sich die Partner gegenüber saßen.

Ich wusste, dass die Geschichte des Abends in den 1940er Jahren spielen sollte. Warum ausgerechnet dieses Jahrzehnt gewählt wurde erschloss sich mir nicht. Da gab es interessantere Jahre des Wirkens der Mafia: Etwa die Zeit der Prohibition in den 1920ern. Damals gab es Alkohol in Tassen, um nicht so schnell aufzufliegen, weil der Ausschank von hochprozentigen Getränken unter Strafe stand. Auch die Kleiderordnung und die Musik wäre eindeutiger zuzuordnen gewesen (Charleston usw.). In den 40ern hatten die USA mit Europa und dem Weltkrieg zu tun.

Die Spielhandlung begann mit dem Aufkreuzen der zwei Kerle vom Eingang und der in das Mieder gepressten Mieze, deren Name Cindy war.
Einer der Kerle, Salvatore, entdeckte auch sofort seine "Mama Mia! Mama!" im Publikum - eine Frau am Nebentisch - zu der er sich gleich auf den Weg machte, um sie unter Gelächter zu begrüßen. (natürlich war das nicht seine Mutter)
Dann kam der Auftritt der Jenny La Rue der Geliebten des Don und Geschäftsführerin des Casinos, in welchem gerade gefeiert wurde. Sie begrüßte in ihrem Glitzerkleid die Familie und deren verschiedenen ausländische Ableger: Die Deutschen wurden auf deutsch, die Russen auf russisch begrüßt usw. Die Begrüßungsworte wurden jeweils von den versammelten Gästen wiederholt. Als der asiatische Zweig mit dem Ruf "Muschi-Muschi!" begrüßt wurde gab es Gelächter.
Dann wurde der Drink, also der Aperitif gemixt. Die Gäste entfernten dazu die Spielkarte vom Glas und warfen die drei Kaffeebohnen - die auf dem Suppenlöffel zu finden waren - in die Flüssigkeit. Dann sollte jeder ein Streichholz nehmen - entsprechende Schachteln lagen auf den Tischen - um damit den Schnaps anzuzünden. Überall züngelten kleine blaue Flammen in den Gläsern. Anschließend wurden die Flammen mit den Karten erstickt und auf das Wohl des Don getrunken. (mancher Gast verbrannte sich die Lippen und wurde so zum Schweigen gebracht - ich nicht)

Die Handlung, in der gesungen (Musik vom Band) und gespielt wurde, war denkbar einfach gestrickt, wies aber trotzdem Lücken auf:
Jenny La Rue hatte zum Geburtstags-Dinner eingeladen, obwohl der Chef selbst nicht anwesend war. Die zwei Gehilfen und Cindy waren hier im Casino angestellt. Sie machten sich schon bald Gedanken wie der Chef am besten auszuknipsen sei.
Einer der Gehilfen spielte in der weiteren Handlung den Chefinspektor, der gegen den Don ermittelte. Die La Rue sowie Cindy verliebten sich in den Ermittler. Nachdem die Nachricht durchgesickert war, dass der Don bereits umgebracht worden war, trat der Inspektor zur Mafia über und war am Schluss mit der La Rue zusammen. Cindy vergnügte sich mit dem zweiten Gehilfen, Salvatore - irgendwie fehlte (mir) ein Stück der Handlung.

Das Essen bestand aus vier Gängen die zwischen den Szenen serviert wurden.
Als erster Gang wurde künstlerisch auf einem Teller angeordneter Fisch - Terrine von Mittelmeerfischen mit Rucola - aufgetragen. Es folgte eine Paprikasuppe mit geröstetem Ciabatta. Als Hauptgang wurde mit Rosmarin gespickte Maishähnchenbrust auf Zucchini-Auberginengemüse und Gnocchi serviert. Den Abschluss bildete Tiramisu mit Erdbeereis.

Um die Aufmerksamkeit Gäste anzuregen wurde ein Quiz durchgeführt. Es mussten Fragen auf einem Zettel beantwortet werden, der dann eingesammelt wurde. Die Fragen konnten im Verlauf des Spiels beantwortet werden, da sie in der Handlung eine Rolle spielten - man musste eben hinhören. Da ich in Gespräche mit meinen Tischnachbarn verstrickt war konnte ich eine Frage nicht richtig beantworten. Besser gesagt einigte sich die gesamte Gesellschaft an meinem Tisch auf eine FALSCHE Antwort und schied damit aus.
Der Gewinner - der dann automatisch Nachfolger des Don Vegas werden sollte - wurde aus den richtig beantworteten Zetteln gelost. An diesem Abend wurde eine Frau das Oberhaupt der Familie.

Mein Fazit:
Für mich war es eine Veranstaltung, die ich in ihrer Art noch nicht kannte. Die Idee des Ganzen ist wirklich toll, leider mangelte es etwas an der Umsetzung (Musik vom Band und einige andere Sachen, wie Handlungsstrang, Gesang usw.), obwohl das sicher Geschmackssache ist.
 
ENDE
 
 
Foto:TLZ
 

Mittwoch, 19. Dezember 2018

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