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2012
Donnerstag, den 29. November 2012 um 15:04 Uhr
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Am 13. Oktober 2012 machte ich einen Abstecher nach Quedlinburg am nördlichen Rand des Harzes. Die Altstadt und auch die Stiftskirche mit dem Schloss gehörten zum Weltkulturerbe der UNESCO und versprachen damit, interessant zu sein. Das erste Ziel in Quedlinburg war selbstverständlich die Stiftskirche mit dem Domschatz. Auf einer gepflasterten Straße ging es hinauf zum Schloss und der gleich gegenüberliegenden Stiftskirche. Der aus romanischer Zeit stammende Kirchenbau des Frauenstifts von Quedlinburg war beeindruckend. Ins Auge fiel der etwas seltsame Türgriff am Kirchenportal. Die Klinke ist jedoch neueren Datums.

 

Die Stiftskirche in Quedlinburg
Aufgang zum Schloss und zur Stiftskirche Stiftskirche Schweinehund-Türgriff
Grabplatte der Äbtissin Dorothea Sophie von Sachen-Altenburg Kirchenschiff Zugang zur Krypta mit Taufbecken

Am Eingang zur Stiftskirche stand die Grabplatte der Dorothea Sophie von Sachen-Altenburg. Sie war eine Äbtissin des Stifts mit fürstlichen Wurzeln. Ihr Vater war Herzog Friedrich Wilhelm I. von Sachsen-Weimar. Sie Starb 1645. Mit dem Bau der Kirche war im Jahr 997 begonnen worden. Vierundzwanzig Jahre später wurde sie im Beisein von Kaiser Heinrich II. am 24. September 1021 geweiht. 'Ihre Patrone sind die Heiligen Dionysios und Servatius, warum sie auch St. Servati genannt wird. Die Nazis hatten im Inneren einige Umbauten vorgenommen, die romanisch anmuten sollten. So war die Freitreppe entstanden, die das Hauptschiff vom Chor trennt. Beeindruckend waren die  Pfeiler und Säulen im Wechsel (Niedersächsischer Stützenwechsel), die das Hauptschiff von den Seitenschiffen trennten.

Epitaphe Deckenmalerei

Durch eine Nebentür gelangte man in die Krypta mit den Grablegen einiger Äbtissinen - die Epitaphe stehen an den Wänden - und der Steinsarkophage von König Heinrich I. (starb am 2. Juli 936) sowie dessen Gemahlin Mathilde. Eigentlich war das Fotografieren in der Krypta nicht erlaubt aber ein paar Bilder ohne Blitz tun doch nichts. So konnte ich wenigstens ein Bild - oder besser gesagt das einzige Abbild von Otto I. festhalten (Deckenmalerei - um 1200 entstanden) und einige der Epitaphe. Übrigens waren diese Äbtissinen nicht irgendwer. Sie waren zum Teil von hohem Adel, wie etwa Aurora von Königsmarck, die die Geliebte des Sachsenkönigs August des Starken war oder Marie Elisabeth von Schleswig-Holstein-Gottorf, einer Enkelin des Königs Friedrich III. von Dänemark.

Vom Kirchenschiff aus gelangte man über eine der beiden Freitreppen in den Chor, von wo man in die Seitenkammern gelangte, in denen der Quedlinburger Domschatz ausgestellt war. Dieser durfte ebenfalls nicht fotografisch festgehalten werden. Ohne Blitz habe ich's doch gewagt. Die Geschichte des Domschatzes ist etwas verworren, doch die Quedlinburger beharren darauf, dass es sich bei ihrem Schatz immer um Stiftungen handelte, während der Schatz vom nahen Halberstadt zusammen geklaut wäre.

Geklaut hatte aber Teile dieses Quedlinburger Schatzes auch einer, nämlich ein Amerikanischer Offizier, der die Gegend im 2. Weltkrieg von den Nazis befreite. Einige der schönsten und wertvollsten Stücke waren über jahrzehnte Jahre verschollen und tauchten erst vor wenigen Jahren in den USA auf, als die Nachkommen des dreisten Diebes sie verscherbeln wollten. Leider war die Tat nach Amerikanischem Recht verjährt und die Quedlinburger mussten sich mit den Verkäufern gütlich einigen. Damit konnte der Schatz zum Teil wieder nach Deutschland zurückkehren. Einige Stücke gelten jedoch bis heute als verschollen.

Links: Reliquienkästen Hierin wurden Gebeine oder Habseligkeiten von Heiligen aufbewahrt.

Rechts: Vorderer Einband eines Evangelistars aus der nahen Kirche St. Wiperti. Evangelistare sind eine Sammlung kirchlicher Textabschnitte aus den Evangelien, die in Gottesdiensten verlesen wurden.

Ich bin dann noch in einen Teppichsaal gegangen, wo ein eindrucksvoller romanischer Knüpfteppich  ausgestellt war, der mit seiner Größe von fast 40 Quadratmetern das größte liturgische Ausstattungsstück der Stiftskirche war. Er entstand um das Jahr 1200 und war ein Geschenk der Äbtissin Agnes von Meißen. Man hatte den Teppich vor einigen Jahrhunderten in fünf Stücke zerschnitten und in der Stiftskirche bis 1832 als Fußmatten verwendet. Erst dann erkannte man den Wert dieser "Fußmatten" und versuchte sie wieder zusammenzufügen. Dadurch wurde ein einzigartiges textiles Kunstwerk, nämlich der älteste erhaltene Knüpfteppich des Abendlandes zu neuem Leben erweckt. Dann ging ich hinaus auf die nur wenige Meter entfernte Aussichtsterrasse. Von hier hatte man einen herrlichen Blick über die Quedlinburger Altstadt.

Blick über die Altstadt bedeutene Stelle: Finkenherd Anderer Wegweiser
Furz-Bräu Marktkirche hinter dem Rathaus
Musikerskulptur
Am Markt Rathaus

Dann machte ich mich auf, hinunter in die Altstadt, mit ihren Engen Gassen und Fachwerkbauten und vielen Geschichten. Eine davon hatte sich unmittelbar unterhalb des Schlossberges abgespielt. Hier war eine Stelle, an der einmal ein Gasthaus gestanden haben soll (im 16. Jahrhundert und noch viel früher), das den Namen "Finkenkrug" getragen hat. Der Name soll jedoch schon viel früher entstanden sein, denn an dieser soll im Jahr 919 dem Sächsischen Herzog Heinrich von Fränkischen Edelleuten die Königswürde angetragen worden und das Ganze beim Vogelstellen passiert sein.

 



 

Samstag, 25. November 2017

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