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... in den Dom von Halberstadt
2012
Montag, den 03. Dezember 2012 um 21:32 Uhr
Der Abstecher in den Dom von Halberstadt fügte sich an den an, den ich nach Quedlinburg unternommen hatte. Beide Städte trennen nur wenige Kilometer und der Nachmittag war wie geschaffen dafür noch einen Domschatz in Augenschein zu nehmen. Schon von der Ferne konnte man die Turmspitzen der nahe beieinander liegenden Kirchen Halberstadts ausmachen. Zum einen die des Doms und zum Anderen die der Martini-Kirche mit ihren unterschiedlichen Türmen.

Dom und Martini-Kirche von der Ferne Türme des Doms Ein Portal
Dom von Halberstadt Detail vom Dom Im Kreuzgang

Die Innenstadt war schnell erreicht und der Dom ebenso. Je näher man dem Bau kam um so eindrucksvoller präsentierte er sich. Der Dom ist St. Stephanus und St. Sixtus geweiht und ist einer der wenigen großen Kirchenbauten des französischen Kathedralschemas in Deutschland. Dies bedeutet, dass der Bau Gemeinsamkeiten mit anderen seit der Spätromanik errichteten Kirchen-Großbauten aufweist. Diese Gemeinsamkeiten sind ein großer Chorraum im Osten, der dem Klerus vorbehalten war und durch ein Querschiff vom übrigen Kirchenschiff getrennt wird, wodurch die Kirche einen kreuzförmigen Grundriss erhält. Das Langhaus ist in mehrere Schiffe unterteilt, wobei die Seitenschiffe niedriger sind als das Hauptschiff. Im Westen ragen zwei Türme auf und bilden hier den Abschluss der Kathedrale. In diesem Grundaufbau kann man auch den Halberstädter Dom erkennen.

Schade war, dass ich den Domschatz nicht fotografieren konnte. Er umfasst wesentlich mehr Stücke wie der von Quedlinburg und ist in vielen Räumen und Sälen untergebracht, die sich zum Teil im zweiten Stock des Kreuzganges befinden.

Der Domschatz von Halberstadt enthält Teile, die auf Kreuzzügen und auf anderen Wegen nach Halberstadt gelangten. Es gab Reliquienschreine in jeder Form zu sehen, wie ein vergoldeter Arm, der der mumifizierten Finger des heiligen Nikolaus in sich trug. Selbstverständlich gab es auch hier einen Splitter vom echten Kreuz, an dem Jesus starb. Seit dem Mittelalter nahm die Heiligenverehrung zuweilen recht bizarre Formen an. Es entwickelte sich sogar ein Handel mit Teilen der Leichen Heiliger. Man kaufte und verkaufte, so wie es das Geldsäckel der jeweiligen Kirche erlaubte. Diese Reliquien zogen Heerscharen von Pilgern an, die wieder neues Geld in die Kassen brachten. Der gesamte Schatz von Halberstadt umfasst heute mehr als 650 Einzelteile vom Bergkristall-Fläschchen bis hin zum großen Teppich. Auch in Halberstadt gab es bemerkenswerte Teppiche aus dem 12. Jahrhundert zu sehen. Diese unterschieden sich jedoch vom Knüpfteppich in Quedlinburg, da sie gewebt waren. Auch eine ansehnliche Zahl anderer Textilien, die die Bischöfe vor Jahrhunderten während der Zeremonien in den Kirchen trugen waren hier zu sehen. Hier stachen besonders die mit Reliefstickerei verzierten Gewänder heraus, die schon fast bildhauerische Qualitäten aufwiesen.

 

Im Kreuzgang Blick zur Decke durch den Kronleuchter aus dem 16. Jahrhundert Langhaus mit Lettner und Triumphkreuzgruppe
Heiligenskulpturen an den Pfeilern des Hauptschiffs Kanzel Jüngere Skulpturen

Im Kreuzgang konnte ich dann wieder fotografieren und hielt dort einige Aussichten auf den Dom und die Türme fest bevor ich den eigentlichen Dom betrat. Der Kirchenbau beeindruckte durch seine Größe, was von außen nicht zu erwarten war. Der Dom, so wie er sich heute zeigte wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Selbstverständlich gab es Vorgängerbauten, die nach und nach vom Gotischen Dom verdrängt wurden. Im Hauptschiff ist ein beträchtlicher Teil der mittelalterlichen Ausstattung erhalten. Dazu gehören die vielen Skulpturen, wie die Heiligen an den Pfeilern des Hauptschiffes. Manche Sockel waren noch nicht mit solchen Figuren ausgestattet worden und man hatte später versucht neuere einzufügen. Diese wurden aber abgelehnt und sind trotzdem heute in einer Nische der Kirche zu sehen.

Bedeutend ist auch die zu Beginn des 13. Jahrhunderts angefertigte Triumphkreuzgruppe über dem Lettner, die aus dem romanischen Vorgängerbau stammt. Das Jesuskreuz wird hier von Engeln getragen. Die Gruppe umfasst fünf Figuren und gehört zu den wichtigsten plastischen Kunstwerken dieser Zeit auf deutschem Boden. Sie stehen auf dem sogenannten Apostelbalken, der so genannt wird, weil darauf die zwölf Apostel dargestellt sind, die den christlichen Glauben tragen. Die Kanzel entstand dagegen als Zeugnis des protestantischen Glaubens 1592.

Grablege Bischof Bernhards Hoher Chor mit Altar Durchgang zum Chorumgang

Hinter dem Lettner war die Grablege Bischof Bernhards offen zu sehen. Man konnte also den Sarkophag des Kirchenmannes sehen, der Üblicherweise mit einer dicken Eichenholzplatte abgedeckt ist. Das der Steinsarg zu sehen war, hatte mit der Landesausstellung Sachsen-Anhalts über Otto I. zu tun. Bischof Bernhard (Bernhard von Hadmersleben), der sein Amt von 923 bis 968 in Halberstadt ausübte, hatte ein sehr angespanntes Verhältnis zu Kaiser Otto I. Dieser hatte vor in Magdeburg ein Erzbistum einzurichten. Bernhard fürchtete um Einfluss und verweigerte die Zustimmung und setzte sich - zumindest so lange er lebte - durch.

Chorumgang Maria Magdalena - Skulptur aus der Werkstadt des Severi-Meisters Figurengruppe aus der Werkstadt des Severi-Meisters

Vom Chor gelangte man in den Chorumgang, der noch höher wirkte, da der Raum zwischen Chor und Kathedralen-Wand schmal war. In Nischen standen auch hier Skulpturen, von denen die der Maria Magdalena und die der Maria mit dem Erzengel hervor stachen. Beide stammten aus der gleichen Werkstatt, die des sogenannten Erfurter Severi-Meisters. Er oder seine Werkstatt erschuf den Steinsarkophag in der Erfurter Severi-Kirche, deren Plastiken einen künstlerischen Meilenstein der frühen Gotik darstellen.

Glasmalerei Buch-Diebstahlsicherung Radleuchter von 1516

Ein Stück weiter, hinter dem Chor war ein seltsames Gitter auf einem Podest angebracht. Hier hinein wurden die wertvollen handgeschriebenen Bücher gelegt, damit sie gelesen werden konnten. Durch die Gitterstäbe hindurch konnte man die Seiten umblättern. Das Buch konnte so keinesfalls mitgenommen werden. Es handelte sich damit um einen frühen Bücher-Diebstahlschutz.

Wieder im Langhaus angekommen, ging ich wieder unter dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Leuchter hindurch bis zum anderen Ende der Kirche, wo die Orgel stand. Dort befindet sich auch das Taufbecken, das schon in der Vorgängerkirche stand.

Damit beendete ich diesen Abstecher im Sonnenschein, der den Dom und die nahe Martini Kirche in nachmittägliches Licht rückte.

Orgel Dom in der Nachmittagssonne Taufbecken
Martini-Kirche

 

 

Donnerstag, 14. Dezember 2017

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