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Der Hochzeitsring
Romane
Mittwoch, den 19. Oktober 2011 um 08:56 Uhr

Der Roman um den jüdischen Erfurter Schatz, den man tatsächlich bei Bauarbeiten gefunden hatte, interessierte mich nicht alleine deshalb, weil er in Erfurt handelt. Mir ging es auch darum, herauszufinden wie der Autor, Henry Köhlert, die geschichtlichen Details mit einer fiktiven Handlung um das Prunkstück des Schatzes - dem Hochzeitsring - verwoben hat. Die Hauptfiguren sind Konrad und sein Lehrmeister, der Goldschmied Thomas von Weimar, der von einem der reichsten Juden der Stadt, Kalmann von Wiehe, - seinem Freund -  damit beauftragt worden war, anlässlich der Hochzeit seines Sohnes, verschiedene Schmuckstücke herzustellen. Darunter befand sich auch der Hochzeitsring, der nur zur Hochzeit getragen wird und fortan über Generationen immer wieder dann hervorgeholt werden sollte, wenn es darum ging zwei Menschen fürs Leben  zu verbinden. Konrad entdeckt eines Morgens im Schnee die Leiche eines Mädchens. Wie sich herausstellt handelte es sich dabei um die Magd des Juden.

Zur gleichen Zeit kommt in Erfurt Unruhe auf. Man hat Angst vor der aus dem Süden herannahenden Pest und schiebt deren Ausbrechen den Juden zu, die angeblich die Brunnen vergiften würden. Von überall her hörte man, dass die Juden aus den Städten vertrieben wurden. Dieses Vorgehen hielten einige der Erfurter Bürger und Ratsherren auch in ihrer Stadt für angebracht, zumal die Juden,  Schuldscheine von vielen Erfurtern gesammelt hatten, die diese vermutlich nie zurückzahlen könnten. Das Progrom von 1349 beginnt ...

Ich will jetzt mal nichts weiter zur Handlung schreiben, da damit ja schon alles verraten wäre. Mein Fazit ist jedoch zwiespältig. Im Roman lässt der Autor die Hauptpersonen durch Erfurt gehen und beschreibt dabei Straße für Straße, als wüssten die Leser, die nicht aus Erfurt kommen, wo man sich gerade befindet. Diese Seiten könnten fast einem historischen Reiseführer entnommen sein - aber eben nur fast. Da gibt es nämlich diese oder jene Ungereimtheit. Die Handlung spielt im Februar und März 1349 und Konrad geht mit seiner Liebsten - der Magd Maria - zum Einkaufen auf die Märkte der Stadt. Schön und gut, aber im Februar und März auf dem Anger mit Waid handelnde Bauern anzutreffen, war unmöglich. Der Waidhandel begann im Frühling nach dem ersten Stich im Mai oder Juni (Ernte) und endete im Herbst nach dem letzten. Im Spätwinter wurden die Felder bestellt, sollte dies nicht schon im Herbst geschehen sein. Der Autor schreibt: "...die großen Waidballen, die auf dem Anger lagerten waren ein Vermögen wert...". Dass Waidballen bestenfalls nur faustgroße Klumpen getrockneter Blätter waren, geht aus dieser Beschreibung jedenfalls nicht hervor. Schade drum, denn solche Ungereimtheiten lassen einen an einer gründlichen Recherche zweifeln und versauen den Lesegenuss. Ein weiteres Manko ist das etwas schlampige Lektorat mit einigen Fehlern.

Trotzdem ist das Buch lesenswert, es macht neugierig auf Erfurt und den Erfurter Schatz mit dem Hochzeitsring, welcher in der Alten Synagoge zu bewundern ist.

  • Broschiert: 237 Seiten
  • Verlag: Sutton Verlag; Auflage: 1 (1. Oktober 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866808763
  • ISBN-13: 978-3866808768
 

Montag, 17. Dezember 2018

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