Start ... Ich ... und meine Weihnachts- Geschichte 15. Dezember
15. Dezember

15. Tag im Dezember 1606 – Freitag

„Also noch immer stur!“ Braun stierte entgeistert auf Marianne, die ihrerseits an die Decke starrte.
Ein weiterer bohrender Blick traf sie aus den Augen des Mannes, der neu in die Runde gekommen war und auf der anderen Seite, neben dem Amtmann platzgenommen hatte. Augenscheinlich handelte es sich dabei um einen Pfaffen und Marianne fragte sich, was einer von denen bei der Befragung zu suchen hatte? Zunächst konnte sie keine Antwort auf die Frage finden, was sich aber in kurzer Zeit ändern sollte.
„Ich gebe doch nich zu, was ich nich getan habe! Dann lande ich womöglich für für Jahre hinter Gittern oder sogar im Feuer! Für nichts und wieder nichts! Nee!“
„Vielleicht sollten wir dir ein bisschen auf die Sprünge helfen, was meinst du?“
Marianne spürte, wie eine heiße Welle von den Füßen bis zur letzten Haarspitze auf ihrem Kopf schwappte und ihr wurde schlecht. Sie malte sich augenblicklich aus, welche Gerätschaften der Amtmann verwenden würde, um ihr ein Geständnis abzupressen.
Marianne wusste aber auch, dass sie eine Tortur dieser Art nie aushalten würde, sollte es je dazu kommen. Solange jedoch keiner Hand an sie legte, wollte sie bei der Wahrheit bleiben.
„Ich habe nichts mit dem Verschwinden Meisels zu tun!“ sagte sie so ruhig und überzeugend sie konnte. „Ich kannte ihn ja kaum, warum sollte ich ihm etwas antun sollen und vor allen Dingen wie?“
„Das dürfte doch einer wie dir keine Schwierigkeiten bereiten.“ meinte Braun. „Ein Kraut von hier, ein Blatt von dort und ein Gewürm von da in den Topf. Dann kräftig umgerührt und vielleicht noch ein Gebet zum bocksbeinigen, finsteren Gehörnten geschickt. Zusammen mit dem richtigen Spruch dürfte das doch den gewünschten Erfolg bringen. Habe ich recht?“
„Ihr scheint Euch in diesen Dingen sehr gut auszukennen!“ stellte Marianne fest. „Ich jedenfalls, kann damit nichts anfangen, weiß nich mal was ihr wollt und damit meint!“ Das hatte gesessen! Der Amtmann lief dunkelrot an und begann zu zittern. Marianne hatte Angst, dass er sich auf sie stürzen würde, denn zunächst hatte es den Anschein, dass er es tun wollte. Ganz langsam erhob er sich, stützte sich dabei mit den Händen auf dem Tisch ab und fixierte Marianne, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken.
Erst als der Pfaffe seine Hand auf Brauns Arm legte, beruhigte der sich und ließ sich zurück auf seinen Stuhl sinken.
Nach einer Weile, in der er einige Papiere vor sich hin und her schob, hatte der Amtmann seine normale graue Gesichtsfarbe wiedererlangt und begann mit der weiteren Befragung, als wäre nichts gewesen. Allerdings konzentrierte er sich dabei auf ein ganz anderes Thema.
„Marianne, wer geht bei dir eigentlich ein und aus?“ begann der Amtmann.
„Was meint Ihr damit?“ Verständnislos sah sie zu Braun hinüber, der wie ein Raubvogel auf seine Beute zu lauern schien. „Ich habe ein paar Basen und Vettern, die ganz selten zu mir kommen,“ sagte sie schließlich. „Dann sind da noch die Kunden, die Bohnen kaufen wollen und ...“
„Halt!“ rief Braun dazwischen und brachte sie mit seiner erhobenen Hand zum Verstummen. „Ich wollte von dir wissen, wer bei dir zur Zeit, also jetzt, bei dir ein und aus geht.“ erklärte er.
„Aber ihr selbst habt doch die Tür vernageln lassen!“ Marianne drehte sich zur Tür herum und suchte in Bertholds Mine ein Zeichen der Zustimmung. Schließlich war er es, der mit dem Hammer zugeschlagen hatte.
„Das ist richtig! gab der Amtmann zu. „Trotzdem ist jemand in dein Haus eingedrungen, hat es durchsucht und Sachen daraus entfernt. Deshalb frage ich dich ja, wer das sein könnte.“
Marianne tat entrüstet. „Ich kann mir keinen Reim drauf machen!“, brachte sie hervor. Insgeheim freute sie sich jedoch, dass Johann unerkannt geblieben war. „Ich wüsste nicht, wer in meinem Haus, außer mir etwas zu suchen hätte!“ rief sie und blickte dabei direkt in Brauns Augen.
„Wollt ihr denn nicht wissen, was der Eindringling mitgenommen hat?“
„Bei mir gibts nich viel zu holen!“ meinte Marianne. „Und das was ich hatte, das habt ihr eingesteckt!“ fügte sie schnell hinzu.
„Sichergestellt!“ rief Braun dazwischen. „Das ist ein Unterschied! Ob das, was ich mitgenommen habe, also das Geld, deins ist, dass wollen wir ja ebenfalls herausfinden.
„Ist mein selbst verdientes Geld!“ stellte Marianne nochmals klar. „Was soll denn sonst noch fehlen in meinem Haus?“ fragte sie schnell, da sie merkte, dass Braun ihr ins Wort fallen wollte.
Großzügig überging Braun die Tatsache, dass die Gefangene bereits mehrere Fragen gestellt hatte, weil er nun eine Antwort geben konnte die ihm gefiel, ihn sogar zu einem Lächeln veranlasste. „Was würdest du dazu sagen, wenn ich dir mitteilen würde, dass deine Puffbohnen wie vom Erdboden verschwunden sind?“
Marianne spielte die Überraschte und machte ein erstauntes Gesicht.
„Ja,“ meinte Braun, noch immer die Mundwinkel zum Lächeln verzogen, „ sämtliche stinkenden, vermoderten Bohnentöpfe sind weg!“ Genüsslich lehnte er sich zurück und wartete auf Mariannes Reaktion.
„Nein!“ schluchzte sie so glaubhaft, ihr es möglich war. „Das kann doch nicht sein! Das darf nicht sein! Was soll nur aus mir werden?“ rief sie und schlug die Hände vor das Gesicht.
„Du kannst mir also nicht sagen, wer ein Verlangen danach hat, dein Haus zu durchsuchen?“
Marianne schüttelte den Kopf und war froh, dass es Johann gelungen war, sämtliche Bohnen in Sicherheit zu bringen.

Johann hielt noch den Türklopfer in der Hand, als diese bereits aufgerissen wurde. Jakob starrte ihn von oben bis unten an und setzte dann eine fragende Mine auf, indem er seine Stirn mit Runzeln überzog und dabei seine Brauen Halbkreise nach oben beschreiben ließ. „Was ist?“ blaffte er.
„Ich will zur Becke Marianne.“ erklärte Johann sein Anliegen und trat einen Schritt nach vorn.
„Aha! Das geht jetzt aber nich!“ Ohne eine weitere Erklärung schickte sich Jakob an, die Tür wieder zu schließen.
„Dann will ich den Amtmann Braun sprechen“, stieß Johann schnell hervor.
Jakob verharrte in seiner Bewegung, überlegte kurz und stieß die Tür wieder auf. Erneut begutachtete er den Kutscher von oben bis unten, als wäre der eben erst vor ihm aufgetaucht und hätte nicht die ganze Zeit an dieser Stelle gestanden.
„Das geht jetzt auch nich!“ gab Jakob nach kurzer Zeit bekannt.
„Wann isser denn zu sprechen?“
„Keine Ahnung.“ Der Gehilfe hob die Schultern bis an seine Ohren. „Damit du es nur weißt,“ teilte er Johann mit, „die Becke wird gerade von ihm verhört. Ich glaub nich, dass er heute noch die Zeit hat, sich mit deinen Sachen zu befassen!“ Krachend fiel die Tür ins Schloss und Johann musste sich, ohne dass er Marianne gesehen hatte, auf den Weg zurück zum Haus seines Dienstherrn machen.

Wo mochte er nur stecken? Edwina hatte die gesamte Nachbarschaft befragt und war sogar bis nach vorn, zum Anger gelaufen. Vom Kutscher war allerdings weit und breit nichts zu sehen. Die Magd war verzweifelt und hatte sich gerade dazu entschlossen, selbst zu Brassel zu laufen, als sie Schritte im Flur hörte.
Schnell war sie auf den Beinen und lief Johann entgegen.
„Da bist du ja endlich!“
„Was ist passiert, Edwina?“ sofort bemerkte der Kutscher, dass irgendetwas nicht stimmte. Wenn die Magd so aufgebracht war konnte das nur bedeuten, dass es Probleme oder Ärger gab.
„Sie ist wieder da!“ gab Edwina atemlos bekannt.
„Wer?“
„Die Krankheit!“ rief sie und warf dabei die Arme nach oben. „Du musst sofort laufen und den Brassel holen! Nur weil ich so lange auf dich warten musste, sogar die Straße nach dir abgesucht habe, ist soviel Zeit verloren gegangen!“ sagte sie vorwurfsvoll.
„So lange war ich gar nich weg.“
„Lange genug!“ gab Edwina zurück. „Ich wollte dem Rat seine Morgenspeise bringen, da sah ich ihn wieder im Schweiß liegen, als wär er nich schon fast gesund gewesen. Brassel soll sich beeilen!“ meinte sie. „Ich sehe derweil zu, dass ich das Kalb vom Schmitt drüben zurück hole. Brassel wirds bestimmt wieder gebrauchen können.
Johann stimmte ihr zu und nickte. „Ja, wenn’s dem Rat wieder so schlecht geht, dann hols lieber. Wer hätte sich das schon denken können, dass wir das Vieh so schnell noch mal brauchen?“
Johann dachte daran, dass das Kalb beinahe geschlachtet und zu Wurst verarbeitet worden wäre, hätte der nicht Rat befohlen, das Tier am Leben zu lassen. Schmitt war der Einzige, den Johann kannte, der eine Kuh besaß. Mit ein paar Münzen, die in seine Tasche wanderten, ließ sich Schmitt schnell davon überzeugen, die Milch nicht selbst zu trinken, sondern sie dem Kalb Wolrabes zu überlassen.
Jetzt war Johann froh, dass er sich nicht erneut auf den Weg nach Azmannsdorf machen musste.
„Ich frag mich immer noch, was der Brassel mit dem Kalb und dem Rat gemacht hat?“ unterbrach Edwina Johanns Gedanken. „Irgendwie ist das doch unheimlich!“
Johann grinste: „Ich erzähls dir vielleicht irgendwann. Kostet dich aber ein kleines Süppchen!
Edwina lachte und schob ihn zur Tür. „Zuerst gibt es aber Wichtigeres! Mach schon, dass du Brassel holst!

Das Weib des Arztes öffnete die Tür nur einen kleinen Spalt. „Mein Mann ist nicht da!“ sagte sie gleich, ohne dass Johann eine Frage gestellt hätte. „Um was geht’s denn? Hoffentlich nichts Schlimmes?“
„Meinem Herrn, dem Rat Wolrabe, geht’s wieder schlecht.“ sagte Johann. „Wo isser denn, der Herr Arzt?“
„Tja, dass ist übel“, Brassels Weib wackelte mit dem Kopf, „er ist rüber nach Arnstadt zu seinem Bruder, der liegt schon ne Woche. Hab keine Ahnung, wann er zurück ist. Vielleicht kommt er heute noch oder auch erst morgen. Kann aber auch gut sein, dass er übers Wochenende drüben bleibt.“
„Das ist viel zu lang!“ meinte Johann und ahnte, was auf ihn zukommen würde.
Mit Bedauern dachte Johann daran, dass wieder war ein Tag vergangen war, ohne dass er Gudrun im Auge behalten hatte. Da sich der Abend bereits mit der Dämmerung ankündigte, beschloss er erst morgen, am Sonnabend, dem 16. Dezember, nach Arnstadt aufzubrechen.

 

Mittwoch, 19. Dezember 2018

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