Start ... Ich ... und meine Weihnachts- Geschichte 13. Dezember
13. Dezember

13. Tag im Dezember 1606 - Mittwoch

Dem Rat Wolrabe ging es bereits so gut, dass er im Bett sitzen und seine Mahlzeiten zu sich nehmen konnte. Nach Edwinas Brühe, die wahre Wunder gewirkt und den Rat kräftig gestärkt hatte, nahm er nun auch wieder feste Nahrung zu sich. Brassel meinte, sogar stündlich Genesungsfortschritte feststellen zu können.
Nach einem leichten Frühstück, das aus einem gebratenen Hühnerei und einer Scheibe Brot bestand, sah Wolrabe dabei zu wie Brassel sein Instrumentarium in der Tasche verstaute.
"Sagt mir doch, guter Brassel, wie habt Ihr mich nur heilen können?"
"Ach", meinte der Arzt, "vielleicht ist es gar besser, wenn Ihr es nicht wisst. Es ist eine ganz neue Kur, die ich an Euch, äh ... die ich Euch verabreicht habe." sagte Brassel ausweichend.
"Ihr könnt ruhig sagen, dass ihr die Kur an mir ausprobiert habt. Sie hat ja prächtig angeschlagen, wie ihr seht. Nun, was habt ihr gemacht? Ich weiß ganz gut, dass ich Euch mein Leben verdanke. Stand schon mit einem Bein vor dem, da oben." Wolrabe zeigte mit dem Finger an die Decke.
"Ihr hattet Fieber, das Eure Magd mit Schneewickeln behandelt hat, während ich Euch zur Ader ließ." erklärte Brassel.
"Das ist nichts Neues! Sagt schon, was habt Ihr gemacht?"
"Na ja," der Arzt trat von einem Bein auf das andere, "habe Euch halt neues Blut verschafft." Jetzt war es raus.
"Wie das?" Gespannt sah der Rat zu Brassel hinüber.
"Nun, ich denke, dass Euer Blut ganz einfach schlecht war und Ihr dadurch so krank wart. Es war deshalb notwendig, dieses schlechte Blut mit frischem zu vermischen."
"Und wo hattet Ihr es her? Ich kann nicht glauben, dass man Blut auf dem Markt kaufen kann. Es zu rauben wäre sicher ebenso schwer. Nun sagt schon, wie habt Ihr es bekommen?"
Für Brassel gab es jetzt kein Zurück mehr und er erzählte vom Kalbsblut.
Wolrabe war beeindruckt und gleichzeitig beunruhigt. Beeindruckt vom Mut des Arztes und beunruhigt wegen der möglichen Folgen. Er hörte in sich hinein, um vielleicht eine Veränderung in seinem Wesen festzustellen, kam aber nach einer Weile allerdings zu dem Ergebnis, dass er noch der Alte war und wendete sich wieder Brassel zu:
„Ihr sagtet, mein Blut wäre schlecht gewesen. Was meint Ihr, wie es dazu gekommen ist?“
Der Arzt brachte den Zeigefinger an seine Lippen und begann vor Wolrabes Bett hin und her zu laufen. „Ich habe schon mehrfach darüber nachgedacht und fragte mich ob ich es Euch überhaupt sagen sollte“, meinte er.
„Nun?“
„Gift“ brachte er schließlich heraus und blieb stehen. „Ihr wurdet vergiftet!“
„Wie kommt Ihr darauf?“ Wolrabe stützte sich mit dem Ellbogen auf sein Kissen und schien nachzudenken. „Ich könnte nicht sagen, wer mir etwas Böses wollte“, sagte er schließlich.
„Das mein Ihr!“ erwiderte Brassel. „Schließlich seid Ihr Mitglied des Erfurter Stadtrates. Sicher trefft Ihr dort diese oder jene Entscheidung, die bei diesem oder jenen Erfurter Bürger nicht so gut ankommt! Wer könnte in Eurer Position schon behaupten, dass er keine Gegner hätte? Manchmal sind es kleine, unscheinbare Anlässe, die schlimme Taten auslösen.“
Der Rat nickte nach einer Weile. „Ja, da könnt Ihr durchaus recht haben“, meinte er. „Welches Gift hat man mir wohl verabreicht? Was meint Ihr?“
„Um ehrlich zu sein,“ begann Brassel „habe ich einen solchen Verlauf einer Krankheit noch nie gesehen und demzufolge auch noch nie behandeln müssen.“ Er begann wieder mit seiner Wanderung. „Wenn ich es recht überlege, habe ich auch noch nie von einer solchen Sache gehört oder gelesen.“ Nach einer Pause sagte er dann: “Es muss sich um ein fremdes Gift handeln. Vielleicht eines von America?“ überlegte der Arzt. „Dort soll es manches Kraut und Getier geben, dass mit seinen Säften großen Schaden anrichten kann.“
„Interessanter aber abscheulicher Gedanke!“ Wolrabe verzog den Mund, als hätte er altes Bier getrunken. „Fragt sich, wo man mir das Gift verabreicht haben könnte? Hier im Haus kann es wohl nicht gewesen sein, denn für Edwina lege ich meine Hand ins Feuer. Außerdem hätte sie sich dann auch keine Mühe gegeben, mich wieder gesund zu machen.“
„Da stimme ich Euch zu!“ meinte Brassel. „Ich habe selten so hervorragend zubereitete Speisen zu mir genommen, wie in Eurem Haus. Eure Magd ist eine wunderbare Köchin! Solltet ihr irgendwann mit dem Gedanken spielen, sie ziehen zu lassen, wüsste ich bereits eine Stelle ...“
„Das könnte Euch gefallen“, unterbrach Wolrabe lachend „und ich glaube Euch gern. Seht Brassel, Edwina wird hier bei mir bleiben. Lasst uns lieber ihre Künste versuchen! Was haltet Ihr davon?“
Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Arztes. „Da kann ich nicht nein sagen. Besonders, weil ich weiß, dass Edwina vor einer guten Stunde eine fette Gans von Johann in Empfang genommen hat.“

Heute war Jakob gekommen, der sie diesmal ohne den Amtmann ins Verhörzimmer geführt hatte. Tatsächlich hatte man ihr bis zu dieser Stunde, weder Essen noch Trinken gebracht. Marianne war froh, dass Johann sich gestern auf den Weg gemacht hatte, ihr weitere Bohnen zu holen. Damit hatte sie wenigstens etwas im Magen. Auch das Durstgefühl hatte sie mit Hilfe des Kutschers bekämpfen können, der kleine Schneekugeln durch das Fenster rollen ließ. Marianne sammelte sie ein und taute sie in ihrem Becher auf. Damit hatte Sie sogar mehr Wasser, wie an den ersten Tagen ihrer Gefangenschaft. Der Plan des Amtmanns, sie dursten und hungern zu lassen, um sie zu einem schnellen Geständnis zu bewegen, war damit durchkreuzt worden.
Im Verhörzimmer angekommen, hatten bereits alle Beteiligten ihre Plätze eingenommen: Tetzel und der Schreiber machten sich schon erste Notizen, des Richters glatzköpfiger Berichterstatter starrte sie an, als hätte sie zwei Köpfe und Braun trommelte mit den Fingern solange auf die Tischplatte, bis Marianne auf ihrem Schemel saß.
„Nun, wie ist es?“ begann der Amtmann und sah fragend zu Marianne hinüber. „Hast du nun das Geld der Meisel genommen, ja oder nein?“
„Warum sollte ich heute ja sagen, wo ich doch gestern nein gesagt habe?“
Der Amtmann lief rot an und seine Augen traten, wie es schien, ein gutes Stück aus seinen Augenhöhlen heraus. „Du hast es noch nicht begriffen, wer hier die Fragen stellt!“ brüllte er los.
Marianne fuhr zusammen. „Wenn ihr mir die gleichen Fragen stellt, die ich schon beantwortet...“
„Schluss!“ Brauns Hand krachte so auf die Tischplatte nieder, dass Tetzels Tintentopf fast umgefallen wäre.
„Warum hat die Meisel dich eine Hexe genannt?“
„Fragt sie doch selbst! Was weiß denn ich, warum die mich so nennt? Kann nich zaubern oder hexen!“ entgegnete Marianne.
„So, kannst du also nicht.“ wiederholte Braun.
„Kannst du mir dann vielleicht sagen, wo der Tischler Meisel ist?“
„Woher soll ich das wissen?“ Marianne blickte erschrocken zum Amtmann, der sich gerade erheben wollte, weil sie wieder eine Frage gestellt hatte. „Hab ihn vielleicht ein halbes Jahr nich gesehen.“ fügte sie deshalb schnell hinzu. „Als ich letzte Woche bei seinem Weib am Krämpfertor drüben war, hat die Meisel gesagt er würde in Saalfeld Holz holen. Deshalb war sie ja auf der Suche nach dem Geld.
„Mag sein“, meinte Braun.
„Hat sie dir denn auch gesagt, wann Martin Meisel zurück sein wollte?“
„Ich glaub sie meinte am Freitag käm er nach Erfurt heim.“
„Das war vor fünf Tagen! Wie erklärst du dir dann, dass er bis heute nicht in der Stadt erschienen ist?“ fragte der Amtmann.
„Am Ende isser noch in Saalfeld! Was geht’s mich denn an? Kann mir auch nich denken, wie ich das wissen soll, wo ich doch am Freitag schon hier im Keller saß.“

Johann musste sich beeilen, um Gudrun im Auge zu behalten. Sie lief geradewegs über den Anger, wo sie trotz ihrer vollen Taschen und dem Schneematsch erstaunlich schnell vorwärts kam.
Johann, hatte sich am Vormittag auf den Weg zur Frau des Tischlers gemacht, um sie zur Rede zu stellen. Genau wie Marianne, war es auch Johann ein Rätsel warum Gudrun felsenfest behauptete, dass Marianne sie bestohlen habe.
Als er in die Straße einbog, wo sich die Tischlerei befand, sah er gerade wie Gudrun das Haus verließ und er beschloss ihr zu folgen. Der Kutscher war gespannt was Gudrun wohl zu erledigen hatte und ob ihr Weg sie wieder zum Rathaus führen würde.
Mehr als nur einmal hatte er sich gefragt was in dem Weib vorging. Das Geld musste ja schon bevor Gudrun zu Marianne gelaufen war, verschwunden gewesen sein. War sie von unbekannten Dieben bestohlen worden? Hatte sie gar das Geld verloren und brauchte für ihre Schussligkeit einen Sündenbock? Johann würde sie einfach danach fragen und sehen, wie die Antwort ausfallen würde. Zuvor wollte er jedoch wissen wohin Gudruns Weg führte.
Erstaunt bemerkte er wie sie vorbei an den Graden, genau in die Straße lief, wo Mariannes Haus stand. Dort, vor dem Haus angekommen sah sie sich schnell um, bevor sie es betrat. Nur wenige Augenblicke später tauchte sie wieder auf und verschwand hinter der nächsten Häuserecke.
Johann betrat erneut Mariannes Haus, um zu sehen, was Gudrun hier gemacht haben mochte.

Er beschloss deshalb, erst morgen, am 14. Dezember Gudrun erneut aufzusuchen, um sie dann wirklich zur Rede zu stellen.

 

Montag, 17. Dezember 2018

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